Kay Szantyr: Wort und Pferd.

Feine Reitkunst und klare Kommunikation.


Warum du ständig Seitengänge übst und dein Pferd trotzdem in seiner Trageerschöpfung feststeckt.

Überall hört man, dass Seitengänge DAS Mittel seien, um trageschwache Pferde zu rehabilitieren. Und das ist großartig, denn es gibt ja rund drölfzigeinhalb Seitengänge – da ist für jeden was dabei, was er viertelstundenlang durchexerzieren kann.

Die Zahl war nur geschätzt – auf der Basis der vielen Variationen, die ich zu sehen bekomme von Besitzern, die mir frustriert über ihren mangelnden Erfolg bei der Erarbeitung der Tragfähigkeit berichten. Ich lasse mir dann gerne den so viel geübten Seitengang vorführen. Anschießend frage ich, was ein Seitengang eigentlich ist und wie viele davon es gibt. Und dann beginne ich zu erklären …

Denn in aller Regel hat das Gesehene wenig mit einem Schulterherein (oder Schultervor) oder Kruppeherein (Travers, Renvers, je nach Ausführung Traversale) zu tun. Und alles andere – das steile Übertreten auf der Volte oder der Geraden, Schenkelweichen, Volltraversale – ist nun mal kein Seitengang.

Traversale.

Seitengänge
werden ganz einfach definiert: Das Pferd ist gebogen! Ob in oder gegen die Bewegungsrichtung, auf welcher Hufschlagfigur, das alles ist sekundär.
Durch die Biegung ergibt sich: Ein Beinpaar (vorne oder hinten) kreuzt leicht, das andere geht geradeaus.

Nicht alles, was die Schultern innen hat, ist ein Schulterherein. Nicht selten sehe ich nicht eine Abstellung von der Bande über drei (modern) oder vier (Barock) Hufspuren, sondern über eher drei oder vier Hufschläge. Die Definition oben greift damit nicht mehr, denn bei dieser steilen Abstellung kreuzen alle vier Beine. Auf diese Weise können wir bspw. die seitliche Rotation des Beckens fördern oder die Lendenwirbelsäule aufwölben (sofern das Pferd dazu in der Lage ist), andere, für die Heilsamkeit des Seitenganges wichtige Bewegungen sind aber nicht mehr möglich.

Aber selbst bei richtiger Abstellung gibt es noch zwei korrekte Varianten, von denen nur eine dem trageschwachen Pferd wirklich Mehrwert bietet. Beim Kruppeherein ist es genauso. Hier am Beispiel des Schritts:

  • Variante 1 ist die Veränderung des normalen Schritts in den Seitwärtsgang hinein. Das bedeutet: Es geht zunächst darum, möglichst unverspannt und unter Beibehaltung des klaren Viertakts dem Pferd Biegung und Bewegungsrichtung zu vermitteln.
  • Variante 2 kann geschult werden, wenn Variante 1 – der losgelassene Seitengang – sitzt. Nun kann ich im Schulterherein oder Kruppeherein wieder mehr positive Spannung aufbauen. Das Pferd wird mehr geschlossen, die Punkte aus Variante 1 (Losgelassenheit, klarer Viertakt) müssen aber unbedingt erhalten bleiben.

Bleibe ich im Laufe der Ausbildung in Stufe (Variante) 1, dann mache ich das Pferd zwar flexibel und nehme Einfluss auf die Positionierung der Hinterfüße, aber ich erziele noch keine Lastübernahme durch die Hinterhand und nur eine geringgradige Aktivierung der Rumpfheber.

Ahhhh … nein. Nicht wirklich. Das korrekte Schulterherein auf drei Huspuren hat so wenig seitwärts, das „verschobenes Vorwärts“ es besser trifft.

Auf die beiden Stufen der Schulung bezogen sieht man nicht nur Pferde, die in Stufe 1 verbleiben, sondern viel viel mehr, die zu früh und zu stark in Stufe 2 gepresst wurden. Schiebe ich das Pferd mit dem Schenkel in den vermeintlichen Seitengang, bremse ich vorne stark mit der Hand, weil das Pferd dieser Anforderung entkommen möchte – dann erhalte ich ein Seitwärts, das die Qualität eines guten Schritts verloren hat.

Das sieht man vor allem an der Bewegung des Hüfthöckers. Im normalen, durch den Körper gehenden Schritt bewegt sich der Hüfthöcker mit dem vorfußenden Hinterbein nach vorne. Bei zu viel Zügeleinsatz oder einem generellen Verspannen des Pferdes wird diese Bewegung ausgeschaltet. Das Pferd geht vermeintlich „korrekt“ im Seitengang, aber mit festgestelltem Becken – und damit ist weder die Lastaufnahme noch eine Kraftentwicklung über die Wirbelsäule nach vorne möglich. Die Losgelassenheit fehlt.

Natürlich wird dein Pferd auch in der falschen Haltung aufmuskeln. Man kann auch ein trageschwaches Pferd zum Muskelpaket trainieren – nur sind das dann selten die richtigen Muskeln, oder sie arbeiten nicht so geschmeidig, wie sie es müssten.

Wie lautet nun die Lösung? Einen guten Trainer konsultieren, na klar. Wenn keiner zu finden ist, der sich das Erreichte und Erarbeitete neutral anschaut, wenn die Qualität der Seitengänge nicht sicher ist oder wenn man tatsächlich einfach keinerlei Verbesserung feststellt – dann ist es nicht sinnvoll, weiterzumachen. Man muss einen Holzweg nicht bis zu Ende gehen.

Stelle zunächst sicher, dass sicher keine körperlichen Probleme die Verbesserung behindern. Und dann gilt:

Statt falscher Seitengänge lieber über Geländetraining, Dauertrabmethode, propriozeptionsfördernde Übungen das Pferd stärken. Es gibt auch diverse andere Übungen in der Handarbeit, die die Trageerschöpfung bekämpfen helfen. Allerdings sind auch die – im Interesse des Pferdes – am besten mit kompetenter Unterstützung zu erarbeiten.

Du möchtest mehr wissen – wie du die Seitengänge korrekt entwickelst, welche Alternativen es gibt, was Trageerschöpfung ist oder wie dein Pferd aktuell dasteht? Ich bin rund um 16515 Schmachtenhagen unterwegs und biete Reitunterricht, Reha-Training, Kurse und eine ganzheitliche Beurteilung deines Pferdes an. Mehr erfährst du hier:

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